Blog Abonnieren

Ihnen gefällt was Sie hier lesen? Gehören Sie in Zukunft zu den Ersten, die meine neusten Beiträge erhalten. Dann melden Sie sich für meinen Blog an.

Warum wir Dinge tun, die wir gar nicht tun wollen

Ist es ihnen auch schon passiert, dass Sie Ja gesagt haben, obwohl Sie lieber Nein gesagt hätten? Kennen Sie das Gefühl, etwas tun zu müssen, um es anderen recht zu machen oder haben Sie sich zu etwas überreden lassen, wozu Sie eigentlich keine Lust hatten? Sie denken Nein und sagen ja?

Es gibt natürlich manchmal Situationen, die wir anfänglich wiederwillig tun, wozu wir uns überreden lassen und die uns dann doch Spass machen. Willst du das wirklich nicht ausprobieren, einfach einmal um zu wissen wie es sich anfühlt? Bei diesem Ja, haben wir dann eine neue Erfahrung gewonnen und unser Leben bereichert. Dieses Ja ist ein mutiges Ja.

Wenn dem aber nicht so ist, dann stellt sich die Frage: was für ein Ja habe ich denn ausgesprochen? Fühlt es sich ungut an, dann frage ich mich, wie ich aus der jeweiligen Situation wieder herauskomme oder denke ich, das will ich das nächste Mal aber wirklich nicht mehr. Eventuell ahne ich dann auch, dass ich es trotzdem wieder tun werde oder ich meine, das muss doch so sein. -Auch mein Gefühl suggeriert mir, ich konnte nicht anders. Wenn das eine oder andere zutrifft, dann gilt es das gesagte Ja zu überprüfen.

Warum denn ein JA, wenn ich NEIN sagen will?

Ist es das unangenehme Gefühl eines Konfliktes, dem man sich bequem entziehen wollte und daher lieber Ja dazu sagte, damit man seine Ruhe hat und die Harmonie nicht gestört wird? Aber wo bleibt dann die innere Harmonie? Erzeugt das nicht ein Gefühl der Wut oder der Enttäuschung auf sich selber? Nach aussen sieht alles gut und ausgeglichen aus – aber wie sieht es in uns drin aus? Kann ich mich noch leiden, wenn ich mich und meine Bedürfnisse immer wieder verleugne und es mir dabei immer schlechter geht?

Weil wir als Kinder einmal die Erfahrung gemacht haben, dass wir nur gemocht werden, wenn wir uns anstrengen, noch besser oder braver oder angepasster sind. Jeder von uns hat seine eigene Überlebensstrategie in der Kindheit entwickelt. Über diese Verhaltensweisen haben wir es geschafft zu „überleben“ und versuchen es heute immer noch zu schaffen. Aber das ungewollte Ja sagen ist manchmal unglaublich anstrengend – so als ob wir jeden Tag einen schweren Rucksack auf dem Rücken mitschleppen müssten, in dem bleischwer Ängste hocken. Die Auswirkungen davon sind vielfältig: Existenzangst, Verlust des Ansehens, der Anerkennung und der Liebe, die Gesundheit oder letztendlich sogar des Lebens.

Ich bin so, es geht nicht anders, ich bin ein Ja-Sager-Typ; wird manchmal argumentiert. Ja sagen ist keine Charakterfrage im Sinne der Genetik, wir sind nicht genetisch veranlagt, ein Ja-Sager-Typ zu sein. Es hat damit zu tun, dass wir immer wieder in das gleiche Muster hineinfallen. Dieses Muster haben wir uns angeeignet, entweder haben wir es kreiert oder es wurde uns vorgelebt und wir haben es übernommen, in beiden Fällen haben wir es uns aus eigener Kraft erschaffen. Somit bin ich verantwortlich für mein Ja und habe es aus eigenen Stücken aufgebaut. Dies ist eine gute Nachricht, denn wenn ich es aufgebaut habe, dann kann ich es ja auch wieder ändern oder etwas daran anpassen. Nein sagen ist also lernbar!

JA zu sagen, wenn ich NEIN denke, birgt Risiken in sich

Und noch eine Frage stellt sich: wie glaubwürdig bin ich gegenüber den anderen, wenn sie von mir immer ein Ja erwarten dürfen, welchen Wert hat denn noch mein Ja? Mache ich mich damit nicht zum Mitläufer, den keiner mehr recht ernstnehmen kann, der sich immer fügt und nicht Stellung nehmen kann? Werde ich damit nicht Spielball von potentiellen Ausnutzern oder gar transparent und nicht mehr miteinbezogen?

Ein Ja etwas zu tun, was ich nicht will birgt also rechte Risiken in sich für mein Wohlbefinden sowie auf mein Wirken. Ein glückliches Leben wünschen wir uns doch alle sehnlichst. Warum also tun wir häufig Dinge, die ein solches verhindern? Warum stellen wir unsere eigenen Bedürfnisse in den Schatten, um etwas zu tun, was andere von uns verlangen?

Wie sieht aber nun die Lösung aus?

Die Frage was kann ich anders machen, ist oft nicht so einfach zu beantworten, besonders im beruflichen und existentiellen Umfeld dürfte es oft schwerfallen, sich gegen Anweisungen von oben zu wiedersetzen und damit als Querulant zu gelten. Auch wenn wir immer Ja zu etwas gesagt haben, plötzlich ein Nein zuzugeben, kann auch schwierig erscheinen. Oftmals ist es aber auch so, dass wir zu einem bestimmten Thema unser eigenes Bedürfnis nicht genau kennen. Daraus kann sich ein zu schnelles Ja ergeben und schon tun wir etwas, was sich dann währenddessen wir es tun als nicht richtig für uns entpuppt.

Wir müssen die Gewohnheit des Ja-Sagens umformen und den Mut aufbauen, Nein zu sagen. Da dies oftmals mit Unverständnis und Wiederwehr begleitet ist, sollten wir die Eigenschaft der Konfliktfähigkeit stärken, um standhaft bei unserer Meinung und unserem Bedürfnis bleiben zu können. Wichtig ist sicher auch, sich selber Bedenkzeit zu geben und diese auch nach aussen zu kommunizieren: erst einmal innehalten, durchatmen und nachsinnieren, was ich wirklich will (oder nicht will) und dann Zugeständnisse machen (oder eben auch nicht). Dies bedingt, dass ich mir und meiner Bedürfnisse bewusst bin und für mich genau abgrenzen kann, wozu ich bereit bin und wozu nicht.

Übung macht den Meister.

Es gibt verschiedene Arten Nein zu sagen, ausprobieren, experimentieren, kleine Schritte wagen, mit für uns wichtigen oder eher leichten Sachen anfangen. Zu Hause vor dem Spiegel üben, Bücher über das Thema lesen oder sich Hilfe holen bei Freunden oder Experten. Alles ist erlaubt, wenn es nur hilft den Schritt zum Nein zu wagen. In der Praxis sind die ersten Nein, wenn sie dann ausgesprochen sind, gar nicht so schlimm, weder war es schwierig, noch hat das Vis-à-vis negativ reagiert – oftmals kommt ein Nein sogar besser an, als ein Ja, da wir uns als zentrierte Person präsentieren können und damit auch ernst genommen werden. Erst wenn wir erkennen, dass wir durch ein Nein nichts verlieren, können wir uns entspannen und das Leben wieder geniessen. Eine solche Erkenntnis kann wie ein Blitz einschlagen aber auch langsam heranreifen. Tatsache ist, dass das Leben in seiner ganzen Vielfalt wie ein heilender Fluss durch uns hindurchströmen wird. Dieser Fluss wird auch ein paar Steine aus unserem Rucksack entleeren, somit wird uns eine Angst von den Schultern genommen, was unendliche Erleichterung und neue Lebensqualität beschert.

Der Weg zum Nein
nein sagen
• Gehen Sie in sich und schauen Sie was Sie wirklich wollen
• Eruieren Sie welches Bedürfnis dahinter steckt
• Entscheiden Sie wie Sie Ihr Nein formulieren werden
• Falls Sie das Nein argumentieren wollen, dann aus Ihrer Sicht
• Formulieren Sie es in der Ich-Form
• üben sie Mental oder vor dem Spiegel Nein zu sagen
• Sprechen Sie das Nein aus
• Stehen Sie zu sich und zu Ihrem Nein
• Geniessen Sie ihre neue Erkenntnis und belohnen Sie sich dafür

Text 4-händig verfasst mit meiner Freundin Verena Zellweger, Ayurveda Komplementär Therapeutin in Langnau http://www.ayurveda-samadosha.ch/ und mir Catherine Sorg.
Bild von meiner EOL Kollegin Claudia Esser, manusfactur, aus Dorsten in Deutschland https://www.manusfactur.de/

Teilen:
in Allgemein Lebenscoaching Mentaltraining | 13. Juni 2018 | von Catherine Sorg