Blog Abonnieren

Ihnen gefällt was Sie hier lesen? Gehören Sie in Zukunft zu den Ersten, die meine neusten Beiträge erhalten. Dann melden Sie sich für meinen Blog an.

Wie wir in Corona-Zeiten Ängste begegnen, die wir von uns so nicht kannten

Seit gestern Abend gilt ein internationaler Gesundheitsnotstand, ausgerufen von der Weltgesundheitsorganisation, wegen des neuartigen Corona-Virus„, sagt der Tagesschau-Sprecher, als ich mit meiner zwölfjährigen Tochter Amélie an einem Abend Ende Januar die Nachrichten schaue.
Plötzlich laufen Amélie Tränen die Wangen hinunter: „Ich will den Virus nicht kriegen!“ sagt sie weinend. Ich beruhige sie und sage, dass der Virus für gesunde Kinder nicht schlimm ist.
„Aber du und Papa sollt auch nicht krank werden!“ Auch da kann ich sie beruhigen: Wir gehören beide nicht zur Risikogruppe.

Dass der Virus unser aller Leben trotzdem gehörig auf den Kopf stellen wird, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Das Schul-Skilager – Amélies letztes in der Primarschule – wird abgesagt, die Schulen schliessen, vom Bundesamt wird ein Versammlungsverbot ausgesprochen und wir können nicht nach Deutschland reisen, wo wir Freunde besuchen wollten.

Nicht nur Amélie bekam Angst, als sie gewahr wurde, dass auch wir in der Schweiz von diesem Virus und all seinen Folgeerscheinungen betroffen sind. Seitdem ist die globale Krise in aller Munde und die gesamte Menschheit ist davon betroffen. Menschenleere Strassen und Plätze, ganze Landstriche und Stadtgebiete sind wie ausgestorben. Die Wirtschaft ist stark in Mitleidenschaft gezogen, viele Menschen haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder bankrott zu gehen. Dieser kleine Virus – man kann ihn nicht einmal unter einem normalen Mikroskop sehen – stellt alles auf den Kopf und verbreitet sich in Windeseile.

Was macht der Notstand mit uns?

Die neue Situation löst bei vielen Menschen eine Menge Ängste aus – das eigene Leben oder die Liebsten zu verlieren, die Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können, nicht mehr genug zu essen zu haben, und dass sich das gewohnte Leben gravierend verändert. Existenzängste entstehen. Diese tragen wir latent immer in uns. Nun kommen sie an die Oberfläche und rufen unterschiedliche Reaktionen hervor. Manche hamstern Lebensmittel und wagen sich nicht mehr vor die Tür. Andere prahlen lauthals, sie seien nicht betroffen. Wieder andere bringen alten Menschen die Mahlzeiten nach Hause oder helfen in Spitälern aus.

Was nährt unsere Angst?

Es ist eine komplizierte Zeit, so viele verschiedene Informationen prasseln auf uns ein. Die Meinungen gehen stark auseinander. Es ist alles da: Politiker, die versuchen ihr Bestes zu geben trotz der Unsicherheit, was richtig ist und was nicht; Wissenschaftler, die sich nicht einig sind ; Verschwörungstheoretiker, die haarsträubende Szenarien und Ursachen verbreiten; Medien, die möglichst zeitnah und wahrheitsgetreu berichten wollen, aber nicht immer davor gefeit sind, nicht dramatisch zu wirken. Es gibt sogar Menschen, die behaupten, diese Zeit sei eine wunderbare Chance! Wem dürfen wir glauben? Wer hat Recht?

Was unterscheidet diese Situation von anderen?

Zu jedem Thema bestehen die unterschiedlichsten Diskrepanzen. Zum Beispiel beim Klimawandel gibt es zahlreiche konträre Aussagen und die Gefahr scheint ebenso gross, aber das löst weder Hamsterkäufe noch so viele Solidaritätsbewegungen aus. Die Medien berichteten laufend über den Klimawandel, aber seit sich der Corona-Virus von China aus über die ganze Welt ausbreitet und auch hier in der Schweiz grassiert, haben die Medien kein anderes Thema mehr. Die Tagesschau berichtet nur noch darüber und jeden Abend laufen Sondersendungen im Fernsehen.

Die Corona-Krise betrifft jeden von uns unmittelbar. Wir alle sind von den offiziellen Vorsichtsmassnahmen stark betroffen. Selbst wenn man niemanden kennt, der an dem Virus erkrankt ist, besteht die Möglichkeit, dass man sich selbst infiziert oder es an jemanden im Umfeld weitergibt. Wir werden daran erinnert, dass wir sterblich sind.

Wozu dient die Angst?

Angst muss sein. Hätten wir keine Angst, würden wir die Autobahn überqueren, ohne nach rechts und links zu schauen. Angst gehört zur menschlichen Grundausstattung. Sie hilft uns zu überleben, indem sie uns zu Sorgfalt und Besonnenheit mahnt. Angst lässt sich zwar bewusst unterdrücken, aber ist dann trotzdem noch da und wirkt aus dem Unterbewusstsein. Dann sorgt sie für viele Gedanken, Überreaktionen und äussert sich durch zitternde Knie, Hände und Stimme, Herzrasen, beschleunigte Atmung, flauer Magen, Durchfall, Schwitzen, Schwindel, Panik, Gefühl der Hilflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Blackout, Schlaflosigkeit oder Depression.

Sie haben die Wahl

Vielleicht haben Sie in den letzten Wochen eines dieser Symptome erlebt?
Wenn die Angst Sie vorsichtig sein lässt und Sie besonnen damit umgehen können, ist alles gut. Wenn die Angstgefühle jedoch mit Ihnen «machen», was sie wollen, und Sie sich den Symptomen ausgeliefert fühlen, ist es Zeit, etwas daran zu ändern. Jeder von uns ist dazu in der Lage, sie in den Griff zu bekommen, sodass sie uns nicht mehr beherrscht. Auch Sie können Ihre Angst bewältigen. Sie haben es in der Hand, diesen Gefühlen ihren richtigen Platz zuzuweisen und wieder Fuss zu fassen.

Angst, Corona

Was können Sie tun?

Wir folgen den Auflagen des Bundes: sich genügend die Hände waschen, Social Distancing wahren, Menschenansammlungen meiden. Das gibt schon mal eine gewisse Sicherheit. Damit zeigen wir Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein.

Wie können Sie mit dieser Situation umgehen und einen klaren Kopf bewahren, ohne sich von den kollektiven Ängsten anstecken oder den eigenen Befürchtungen überwältigen zu lassen? Hier ein paar Anregungen, die Ihnen helfen können, sich proaktiv mit der neuen Situation zu versöhnen:

  1. Beobachten und überprüfen Sie, wie oft Sie am Tag über Corona lesen, aktiv auf Social Media sind und sich von den verschiedenen Informationen verwirren lassen. Sich zu informieren ist wichtig, sich bombardieren zu lassen, ist aber unnötig. Legen Sie fest, wie oft und wo Sie pro Tag aktiv Ausschau nach Informationen halten wollen und bei wem. Wenn Sie Statistiken lesen, kehren Sie die Zahlen um und rechnen Sie aus, wie viele Menschen überleben.

  2. Stellen Sie Menschen, die über nichts anderes mehr sprechen, auf «Snooze». In den sozialen Medien ist das einfach, Sie können sie vorübergehend ignorieren oder sogar deabonnieren. Im direkten Kontakt bitten Sie Ihr Gegenüber freundlich darum, über etwas anderes zu sprechen, und wechseln von sich aus zu anderen Themen. Dies kann auch auf die andere Person erleichternd wirken und diese zumindest für einen Moment ablenken.

  3. Suchen Sie Kontakt zu Menschen, die konstruktiv- und lösungsorientiert denken. Wer von Ihren Bekannten sucht Ideen? Wer hat eine positive Grundeinstellung? Wer versucht, das Beste aus der Situation zu machen? Wer zeigt sich innovativ? Wer lacht noch? Treten Sie in Kontakt mit Menschen, die Ihnen guttun, und bald bringen auch Sie eine positive Stimmung in das Zusammensein und bereichern die gemeinsamen Gespräche.

  4. Fassen Sie Mut und suchen Sie die Verbindung mit Menschen, von denen Sie vielleicht schon länger nichts mehr gehört haben. Auch neue Bekanntschaften können über die Ferne intensiviert werden. Verbinden Sie sich mit Menschen, die Sie mögen. Seien Sie erfinderisch in der Kontaktaufnahme. Hatten Sie noch nie eine Videokonferenz? Dann ist jetzt der richtige Moment es auszuprobieren.

  5. Gehören Sie zu denen, die nicht arbeiten? Dann überlassen Sie Ihre Gedanken nicht der Langenweile oder der Berieselung durch die Medien. Erstellen Sie eine Liste von den Dingen, die Sie schon immer einmal machen wollten, und überprüfen Sie, was davon zurzeit möglich ist. Vielleicht wollten Sie schon immer eine neue Sprache lernen oder einen Yoga-Kurs besuchen? Beides ist jetzt virtuell ganz leicht direkt von zu Hause aus möglich.

  6. Arbeiten Sie? Dann tun Sie sich etwas Gutes – sowohl zwischendurch am Tag als auch am Abend. Sie können sich nach der Arbeit mit ausgesuchten Menschen über Videokonferenz treffen, austauschen und sogar miteinander anstossen. Bleiben Sie nicht allein oder ausschliesslich in Ihren vier Wänden. Ein Waldspaziergang kann Wunder wirken, das Social Distancing dabei nicht vergessen.

  7. Vor dem Einschlafen seien Sie dankbar für das was Sie haben. Fokussieren Sie sich auf alles, was an diesem Tag erfreulich war. So nehmen Sie wirkungsvoll Einfluss auf Ihre Zufriedenheit, Ihr Körper wird sich beruhigen, Ihr Geist kann sich entspannen, der Schlaf kann erholsam werden.

  8. Ganz wichtig: Fokussieren Sie sich auf das, was Sie wollen, und visualisieren Sie es. Wenn Sie permanent mit düsteren Gedanken beschäftigt sind, fehlt der Kontakt mit dem, was Ihnen am Herzen liegt. Deshalb wenden Sie sich bewusst den Dingen zu, die Sie als Absicht in sich tragen, zum Beispiel über ein Thema informieren, das Sie interessiert, oder eine Fortbildung anstreben. Diejenigen, die im Mentaltraining waren, können sich an die Geschichte des Blauen Papageis erinnern.

Dieser Text wurde 4-händig geschrieben, die Startgeschichte stammt von meiner Kollegin, Kundin und Texterin Karin Engelkamp von Textengel in Solothurn.  www.textengel.ch Die Erläuterungen dazu von Catherine Sorg.
Das Bild wurde von meiner EOL Kollegin Claudia Esser, manusfactur, aus Dorsten in Deutschland speziell dazu erstellt www.manusfactur.de

Teilen:
in Allgemein Mentaltraining | 07. April 2020 | von Catherine Sorg
| zurück zur Übersicht | nächster Beitrag